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Noten








Räuber in Classik - Schloß Dyck, Jüchen



2.6.07 - Abschiedskonzert für Nobby
                      
So hatte man die Räuber noch nie gehört. Es war ein vollkommen neues Räubergefühl.

Mitstreiter waren die "Junge Philharmonie, als auch der Junge KonzertChor, beide aus Düsseldorf. Es war für alle Beteiligten eine große Herausforderung und das erste Mal.

Die Räuber hatten das Konzert trotz des plötzlichen Todes von Nobby Campmann nicht abgesagt. Im Gegenteil, es wurde ihm als Abschiedskonzert  und an Gedenken seiner gewidmet. Mit viel Feingefühl wurde immer wieder an ihn erinnert.

Der Junge KonzertChor sang zum Gedenken an Nobby das "Abendlied" von "Joseph Rheinberger".



Darauf folgte "Denn wenn et Trömmelche jeiht" als Overtüre, dargebracht von dem Orchester Junge Philharmonie.





Erst dann betraten die Räuber erstmalig die Bühne.



Karl-Heinz: "Wir möchten einen wunderschönen Abend mit Euch in diesem herrlichen Schloßpark verbringen." Dann ging es los mit "Denk nit zuvill". Danach wandte sich Karl-Heinz wieder an die Gäste: "Wenn Ihr Lust habt, seid nicht bang, nehmt Euren Nachbarn zum schunkeln in den Arm. Lachen und weinen liegen dicht beieinander, das haben wir grad die Tage wieder selbst erfahren. Aber wir wären nicht die Räuber, wenn wir nicht auch was zum lachen und zum schunkeln im Programm hätten."

Nun wurde das neue Lied "In Colonia" angestimmt. Es handelt sich um ein traditionelles irisches Volkslied. Passend dazu trat "Freddy the Piper" im traditionellen Gewand und mit Dudelsack auf.





Nach "De schönste Johre" wandte sich Karl-Heinz erneut an die Gäste: "So traurig der Anlass auch ist und so schwer es uns fällt dieses Konzert zu geben, denkt dran: Nobby hat uns das schöne Wetter beschert und er war ein Mensch, der hat immer gelebt, er war nie traurig! Sein Spruch war: Sulang de Botz noch hält, da sin mer dabei." Das war auch gleichzeitig der nächste Titel, den die Räuber sangen.

Vor dem nächsten Lied sagte Karl-Heinz: "Wir haben lange überlegt ob wir das Pilotprojekt Räuber und Classik wirklich machen sollen und können. Wir konnten uns das gar nicht vorstellen. Aber wir haben uns dafür entschieden. Wie Ihr wisst, haben die Räuber auch Lieder im Repertoire, die man textlich leicht missverstehen kann. Dabei meinen wir es immer nur gut!" Die Anspielung galt dem nächsten Titel "Wer hat mir die Rose auf den Hintern tätowiert." Von dieser Version war das Publikum total begeistert. Es wurde Carmenmäßig dargebracht. Bereits während dem Lied applaudierte das Publikum zweimal. Die Orchesterarrangements stammten aus der Feder von Guido Rennert.





Als nächste kam die Acapella-Version von "He am Rhing".

Karl-Heinz: "Singen, glücklich sein, aber auch kriesche, das macht den Rheinländer aus." Daraufhin stimmten sie "Und sie war nicht viel älter als 18 Jahr" an.

Vor dem "Kölsches Bloot" versprach Karl-Heinz, dass auch Nobby irgendwann in diesem Lied vorkommen wird.



"Damit es nicht zu traurig weitergeht, spielen wir jetzt" "Die Naach es noch su lang", verkündete Karl-Heinz.



Vor dem nächsten Lied "Op dem Maat", meinte Karl-Heinz: "Es gibt Leute die meinen Karneval und Classik passen nicht zusammen. Das dachten wir bis gestern Abend auch."

Darauf folgte "Wat wed sin" und nach einer kleinen Pause "In d'r Kaygass", vorgetragen von Wolli und Mac.



Das nächste Lied "Manchmol denk ich ahn doheim" bekamen die Räuber vor Jahren von Erik Silvester angeboten.

Karl-Heinz: "Das nächste Lied, was wir singen möchten, ist besonders traurig. Text und Musik stammen von Nobby. Das hat er 1993 geschrieben. Er war ein großer Fan von John Lennon und wir möchten es zum Gedenken an Nobby singen." "Du bes nit vun Kölle." Gesungen hat es Mac.



Nun meinte Karl-Heinz: "Jetzt wollen wir aber wieder was für die Damen spielen.  Vor zwei Jahren haben wir, wie kann es anders sein, wir sind ja sportliche Menschen, wieder ein Schunkellied herausgebracht. Ihr wißt, was das bedeutet. Es heißt:" "Ding Auge."

Danach verließen Kurt, Wolli und Mac die Bühne. Karl-Heinz blieb alleine zurück. "Ich denke, das war ganz im Sinne von Nobby. Das nun folgende Lied sollte heute Nobby singen, weil er es immer gesungen hat. Das ist eines der schönsten Kölner Lieder überhaupt. Erst hat es Horst Mues gesungen. Er war in etwa ein Mensch wie Nobby - Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Horst Mues musste es damals im Studio einsingen, ein Tag nachdem sein einziges Kind verstorben war. Als Horst Mues gestorben war, hat es Willi Millowitsch gesungen. Als Willi Millowitsch gestorben war, hats der Nobby gesungen. Ich habe mich bereit erklärt heute dieses Lied für unseren Nobby zu singen. Es passt nämlich wunderschön auf ihn." "Ich ben ene Kölsche Jung von Fritz Weber." Anschließend gab es "Standing Ovations" und unendlich viel Applaus.



Später erzählte er, dass während dem Lied aus dem Nichts ein wunderschöner Regenbogen auftauchte, obwohl schönes Wetter war und eine Schar von Wildgänsen flog über die Köpfe des Publikums hinweg. Bei center-tv sagte er dazu: "Man hatte das Gefühl, dass Nobby bei uns gewesen wäre." Auf die Frage hin, ob es sowas wie Zeichen für ihn war, antwortete er: "Ich weiß nicht ob man das so sagen kann, aber ich persönlich habe das so empfunden in dem Moment. Und ich will es einfach glauben, weil es ein schönes Gefühl ist, wenn man das glaubt."

Karl-Heinz erklärte zum nächsten Lied: "Das Lied wurde 1971 von John Lennon gesungen, kurz vor seinem Tod. John Lennon war ja ein sehr zwiespältiger Mensch, sein ganzes Leben war ein einziger Schrei nach Hilfe, wie man gelesen hat. Er war alles andere als lustig. Er hat einen Text geschrieben der uns Wolfgang Niedecken ins Kölsche übersetzt hat und das möchten wir Euch heute singen. Im Original heißt es "Imagine" auf Kölsch "Stellt Üch für."

Karl-Heinz: "Wir möchten Ihnen jetzt noch eine Acapella-Nummer singen von einem der größten Liedermacher Hannes Wader - Heute hier, Morgen da. Als wir in der Überlegungsphase waren diese Nummer aufzunehmen war klar, dass wir es nur in Kölsch singen, da wir nunmal auch eine Kölsche Band sind. Für Euch" "Hück noch he - Morje do."

Danach erklärte Karl-Heinz:"Wir haben uns auf die Fahne geschrieben den Menschen Freude zu bringen, d.h. laache. Kriesche könne m'r noch, wenn wir woanders sind. Der Tag an dem man nicht gelacht hat ist ein verschenkter Tag. Ich hab grad vor kurzem in einer Zeitung gelesen, dass die Rheinländer, besonders die Kölner Weltmeister im lachen sind. Es gibt keine andere Stadt in der soviel gelacht wird wie in Köln. Auch wir haben ein Lied in dem es ums lachen geht. Es war vor vier Jahren das Motto im Kölner Karneval, ein sehr schönes Motto. Das war das einzigste Jahr in dem Marie Luise Nikuta aus gesundheitlichen Gründen nicht das Mottolied gesungen hat." "Laach doch ens."

Dann sang Kurt ein Lied von Willi Ostermann "Ich möcht zo Fuß nach Kölle jonn".  Karl-Heinz erzählte: "Das Lied hat Willi Ostermann auf seinem Sterbebett geschrieben und es wurde erstmals gasungen, als man ihn im Sarg aus seinem Haus trug. Da haben die Leute dieses Lied zum allerersten Mal gesungen. Es war auch das Lied aller deutschen Kriegsgefangenen. Als sie nach Hause kamen in ihre zerbombte Stadt  und sahen Köln quasi an der Erde, dann  haben die Leute die Arme hochgekrempelt, die Schippe genommen und haben dieses Lied dabei gesungen."



Jetzt stand Kurt alleine auf der Bühne und man sah ihm an wie angespannt er war und wie schwer er sich tat. Vielleicht hatte auch hier Nobby seine Finger im Spiel, denn wie von Geisterhand gezogen fiel das Kabel vom Mikro ab und das Publikum, als auch Kurt selbst, mussten lachen. Ich denke das hat ihm geholfen.



Er sagte vorher zu mir: "Wenn ich das Lied gesungen habe, werden die Leute soviel Heimweh wie nie zuvor in ihrem Leben haben." Ich glaube, das war auch so!



Was ich persönlich noch sehr schön fand war, dass bei den letzten Takten des Orchesters sich Karl-Heinz bereits neben ihn stellte, seinen Arm um seine Schulter legte und ihn kurz drückte. Er wußte nur zu gut was Kurt gerade hinter sich gebracht hat. Da mußte er vorher ja auch schon durch. Das war eine sehr schöne Geste! Auch hier gabs es "Standing Ovations" und einen lang anhaltenden Applaus.



Karl-Heinz: "Sie können sich denken das war für uns, als auch für das Orchester ein Abenteuer, was wir heute hier versucht haben. Es hat uns unwahrscheinlich Spaß gemacht. Wir wollten mal zeigen, dass Freude und Stimmung keine Grenzen hat. Es gibt auch Freude und Stimmung die nach innen geht. Jetzt spielen wir das Lied dem wir alles zu verdanken haben. Es ist ein Stück von mir. Wir singen es, seit wir Musik machen. Es vermittelt in Köln mittlerweile auch ein Stück Heimat:" "Denn wenn et Trömmelche jeit."

Das Publikum und Herr Maassen baten um eine Zugabe. Die Räuber kamen dem gerne nach und spielten auf vielfachen Wunsch nochmal "In Colonia".

Zum Abschluß sangen sie "Maat et joot".

Das Konzert endete mit "Denn wenn et Trömmelche jeiht" als Overtüre, genau wie das Konzert begann.

Karl-Heinz ließ es sich nicht nehmen noch ein paar Worte ans Publikum zu richten: "Ich möchte mich nochmal recht herzlich bedanken, dass Ihr alle gekommen seid und uns so gut unterstützt habt. Es war heute Abend, glauben Sie mir das bitte, für uns alle das schwerste Konzert, was wir jemals gegeben haben und wir sind jetzt erleichtert. Wir haben uns wirklich gefreut, dass Sie uns so unterstützt haben heute Abend. Vielen, vielen Dank! Wir werden versuchen Euch das in den nächsten Jahren mit viel guter Musik zurückzuzahlen."



Vorm Schloß spielte "Freddy the Piper" noch "Nehmt Abschied Brüder". Das war ein sehr, sehr schöner Abschluß.

Ich selbst habe noch kein Konzert besucht, das so emotionell war, wie dieses. Die Emotionen waren bei den Musikern, wie auch bei den Gästen ganz deutlich zu spüren. Man kann das sehr schlecht in Worte fassen.


© by R. Pischny

Norbert Campmann

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