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Interview
Erry!
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![]() Wann bist Du geboren? Ich
bin am 25. Okt. 1947 in
Porz am Rhein geboren. Damals noch
eigenständige Stadt, noch nicht eingemeindet zu Köln. Eine
sehr reiche unverschuldete Stadt war Porz damals. Wir hatten
Schwimmbäder, Kindergärten, alles en Maß und als Porz
eingemeindet wurde gab’s lange Zeit nichts mehr. Was man verstehen
kann, weil es durchaus ärmere Vororte gab
die zu Köln gehörten als Porz.
Was hast Du schulmäßig gemacht? Ich
war in Porz an der
Volksschule, dann an der Max-Planck-Realschule.
Dort war ich z.B. mit Leuten wie Wolfgang Weber, Bernd Kullmann und ein
paar anderen Persönlichkeiten aus Köln zusammen. Ich sag halt
Köln, aber die kamen auch alle aus Porz. Herbert Neumann usw.
Was bist Du von Beruf? Ich
hab bei der Rheinischen
Ziehglas AG Industriekaufmann gelernt und
war später aber bei den Stadtwerken, bei der GEW in Porz.
Wie kamst Du zur Musik? Tja,
wie kam ich zur Musik?
Wenn ich heut so drüber nachdenke
klingt das eher etwas anrüchig. Es gab zu meiner Zeit so
Jugendverbände, also einmal die Pfadfinder und dann so ne Art
Jungschar, das hört
sich jetzt ein bisschen sehr komisch an, aber es war eigentlich nichts
anderes als das Jugendliche von einem Jugendleiter von der Straße
weggeholt wurden. Und da haben wir uns einmal die Woche getroffen. Da
war
dann Zusammenkunft und der Jugendleiter hatte eine Gitarre und klampfte
dann da rum. Allerdings waren das eher die Lieder, die nicht so nach
meinem
Geschmack waren mit 14 oder 15 Jahren. „Im Frühtau zu Berge“ und
diese
Songs. Aber auf die Art und Weise bin ich zur Gitarre gekommen. Der
hatte
quasi mehrere Gitarren und hat dann gefragt: „Hat irgendeiner Interesse
dran, dann bring ich es Euch bei. Auf diese Art und Weise bin ich ans
Gitarrespielen
gekommen. So haben wir uns dann immer ne halbe Stunde früher
getroffen
bevor er kam und haben dann natürlich die Lieder gespielt die uns
Spaß
machten, was damals die Songs waren wie "Sheila" und was in der Zeit
aktuell
war an Schlagern und englischen Popsongs. Dann hat mein Opa mir
irgendwann
mal meine erste Gitarre gekauft und zu Weihnachten geschenkt.
Ja und so bin ich an die Musik gekommen.
Und wie kam das dann mit den Bläck Fööss zustande? Ach
das ist kompliziert, das
ist viel, viel länger, das
können wir in drei Sätzen jetzt nicht abhaken. Das gab's
tausende Bands
in den 60zigern. Wir waren eine von 700 Kapellen. Und auch die Leute,
die jetzt hier bei Fööss spielen, haben teilweise in den
unterschiedlichsten Bands und teilweise schon in anderen Bands zusammen
gespielt vor Bläck .Fööss Und selbst als wir die
Bläck Fööss gegründet haben 1970, haben wir noch 5
Jahre parallel dazu als Beatband weitergespielt, weil wir haben ja nie
gedacht, dass das mal überhaupt so erfolgreich wird mit den
Bläck Fööss. Das war eher ein Joke.
Was habt Ihr momentan noch für Pläne? Habt Ihr noch Wünsche, die Ihr Euch so als Band noch verwirklichen wollt? Ich
denk mal, wir machen das
seit jetzt seit 33 Jahren. Wir werden
ja immer häufiger gefragt: wie lang müsst Ihr denn noch oder
wie lang wollt Ihr noch oder so! Also dazu kann ich eigentlich nur
sagen,
wenn es so ist wie heute Abend, auch hier in Rüdesheim, solang man
das Gefühl hat, dass die Leute so euphorisch und nach wie vor so
begeistert
sind davon, dann ist es schwer eine Prognose zu treffen. Dann bleibt,
wenn
überhaupt die einzige Frage nach der Gesundheit, dann machen wir
das,
so lange wir gesundheitlich können. Es ist wohl nicht abzusehen,
dass
die Leute uns in nächster Zeit nicht mehr mögen.
Was machst Du eigentlich, wenn Du mal Freizeit hast? Hast Du irgendwelche Hobbys? Nein,
ich hab nicht viele
Hobbys. Ich bin eigentlich auch sehr
unsportlich. Ich spiel ein bisschen Billard :-) oder Dart, aber nichts
wo man viel
den Körper einbeziehen muss. Nein, meine Hobbys sind mein Garten.
Ich hab einen sehr schönen Garten den ich liebe, Blumen, also
alles
was mit Natur zu tun hat.
Ich hab mich auch mal eine
zeitlang als Amateurfilmer, Videofilmer
betätigt. Aber eigentlich nur so für die ersten 12 Jahre
meiner
Tochter. Weil irgendwann kommen die Kinder in ein Alter, da lassen sie
sich nicht mehr filmen. Aber Kinder sind nun mal das dankbarste Foto-
und
Filmmotiv. Ich hab so ungefähr 15 Video-Urlaubsfilme oder Filme
überhaupt
zu Hause, die ich mir selber zusammen geschnitten und nachvertont habe
usw.
Also ich habe nicht einfach so draufgehalten, die haben teilweise
richtige
regisseurische Ansätze. Aber wie schon gesagt, das hört
irgendwann
mal auf, dann wollen die Kinder nicht mehr, das ist klar. Ich
könnte
natürlich jetzt einen Film über Köln machen, aus meiner
Sicht.
Aber irgendwann lässt das Interesse etwas nach.
Gibt es denn eine spezielle Musikrichtung die Du gerne mal hörst, wenn Du Zeit hast? Ich
bin da nicht so
wählerisch. Natürlich ist das immer
stimmungsabhängig. Wenn ich mit dem Auto durch die Gegend fahr
beim schönem Wetter,
dann mag ich lieber Berieselungsmusik. Ich hör mir aber auch gut
gemachte Popmusik an. Ich muss ja mal sagen, um auf das Thema Superstar
zurückzukommen: was der Herr Bohlen da macht, ob man ihn mag oder
nicht sei dahingestellt, aber was der da musikalisch fabriziert hat mit
den Kids, mit den Leuten ist schon gutes Handwerk. Da kann man nicht
einfach
sagen das ist scheiß Musik, das ist schon gut gemacht. Ob man es
mag oder nicht, das ist ne andre Frage, das ist Geschmackssache.
Über
Geschmack müssen wir nicht streiten. Aber was er so macht, ich hab
mir das mal richtig in Ruhe über Kopfhörer angehört und
so, man hat ja ein bisschen Ahnung von Studio, Technik usw., ist schon
sehr
gut. Wie er die Stimmen einzeln zum klingen gebracht hat ist schon gut.
Also
da scheu mich nicht davor mir auch so ne Nummer mal anzuhören.
Favourites
sind natürlich so was wie Toto oder in früheren Zeiten Earth,
Wind
& Fire und solche Gruppen. Eigentlich alle Musik, die ein gutes
Handwerk
hat.
Wenn Du mal verreist, gibt es da Länder oder Ecken die Du am liebsten besuchst? Spanien,
genauer gesagt
Fuerto Ventura. Da fahr ich schon seit 18
Jahren hin. Das ist so meine zweite Heimat. Das hat aber auch private
Gründe, weil Bekannte von uns da leben. Die wohnen seit 20 Jahren
dort und wann immer es geht schau ich zwischendurch mindestens einmal
auf Fuerto Ventura vorbei.
Der Urlaub ist ja eh sehr eng bei Euch. Oder? Eng nicht, wir machen schon dreimal im Jahr Urlaub. Das braucht Ihr aber auch! Brauchen
auch, aber ich
denke das haben wir uns nach 33 Jahren auch
verdient, sonst hätten wir was verkehrt gemacht.
Gibt es auch Lieblingsgerichte? Die
spanische Küche,
alles was mit Tutti di Mare,
Meeresfrüchte und all so was zu tun hat, ess ich sehr gerne. Aber
hier in Deutschland ess ich auch gerne mal Wild, ich hab die Tage einen
schönen Hirschgulasch gegessen.
Gibt es was, was Du Deinen Fans auf diesem Weg mitteilen möchtest? Ich find sie einfach
hervorragend. Es sind ja sehr unterschiedlich
Konzerte, von der Arena hin bis zum kleinen Sozialjob, im Kinder- oder
Behindertenheim. Wir haben ja ne sehr große Spann- und
Bandbreite.
Zuletzt haben wir wieder in so einer Behindertenschule gespielt. Das
ist
einfach ein Phänomen da auf der Bühne zu stehen und du siehst
die ersten 5 Reihen, die Kids in Rollstühlen, die also wirklich
krank
sind quasi. Früher hatte ich da große Probleme mit, das muss
ich Dir ganz ehrlich sagen: als ich das erste Mal so ein Job gemacht
habe,
ich glaub ich hab die nicht angeguckt, den ganzen Auftritt lang. Ich
hab
einfach nur über die weggeguckt. Irgendwie kriegte ich das nicht
für
mich verarbeitet, wie die da unten saßen. Ich konnte mir
überhaupt
nicht vorstellen, dass die da irgendwas von mitkriegen, was wir da
machen,
was wir da tun und irgendwann sah ich dann die sangen, die sangen die
Texte
und alles mit. Da setze natürlich auch so ein Umdenken ein. Das
war
einfach nur eine Hemmschwelle, nicht dass ich da was gegen hätte.
Das
war einfach ne Hemmschwelle, die man überwinden musste und heute
mach
ich solche Jobs natürlich sehr gerne. Da stehst du immer wieder da
oben und wenn du dann siehst wie die sich freuen, wie die mitmachen….
Dann
kannst Du nur immer wieder dem lieben Gott, wenn es den da oben gibt,
auf
Knien danken, dass du oder deine Kinder davon verschont geblieben sind,
und dass du ihnen so viel Spaß machen kannst, aber auf der
anderen
Seite nicht die Last hast. Also ich denke schon mal, dass es für
die
Eltern sehr anstrengend ist, obwohl ich denke die machen das alle sehr
gerne
und die lieben die Kinder abgöttisch , aber das ist ja ne
Typenfrage.
Ich denke schon, so Kinder sind auch ne Belastung für die Eltern.
Und
ich denke nicht jeder Erwachsene kann gut oder leicht damit umgehen. Da
sind also auch die Eltern teilweise bewundernswert, wenn ich die dann
sehe,
wie liebevoll die mit den Kindern umgehen, was das für Kraft und
Nerven
kostet. Also Hut ab!!!
©
by R.
Pischny
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